Denkmal

Das historische „Wasserhaus“ Leihgestern ist 1907 erbaut worden und wird nur im Volksmund so genannt. Es ist im eigentlichen Sinne ein Wasserhochbehälter, denn die Quellen, die ihn durch natürlichen Druck speisen, liegen ca. 300 m östlich entfernt auf dem höher liegenden Gelände des „Grillplatzes Leihgestern/Am Wasserhaus“. Hiermit wird deutlich, daß der Zusatz „Am Wasserhaus“ dort fälschlich genannt und irreführend ist.

Das imposante Bauwerk sicherte die erste zentrale Wasserversorgung der ehemaligen selbständigen Gemeinde Leihgestern. Es ist daher nicht nur ein Zeitzeuge, sondern auch als ein „Technisches Denkmal“ seiner Zeit zu werten. Es ist daher erhaltens- und schützenswert zugleich und wurde auch in die Denkmalsrolle des Landes Hessen aufgenommen (https://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/44709/).

Das Bauwerk wurde aus Lungenbasalt der heimischen Region bzw. des Vogelsberges erstellt, der auch bereits beim Bau der evangelischen Kirche und des angrenzenden Kriegerdenkmals in Leihgestern Verwendung fand. Er erhielt eine aus groben Lungensteinquadern gemauerte Portalwand mit rundbogigem Eingang und geschwungen ausgreifenden Wangen. Der für den späten Historismus typische wehrhafte Charakter wurde durch große Vierkantblöcke als oberer Abschluss betont. Das Portal konnte erhalten werden und eine neue Türe schmückt mit einem doppelköpfigen Kranich den Eingangsbereich. Der Wasservogel geht nicht nur eine Symbiose mit dem Wasser ein, sondern er ist auch im Wappen eines Leihgesterner Rittergeschlechtes zu finden und heute ein herausragender Bestandteil des Lindener Stadtwappens. Die imposante Bauweise ist einzigartig. Sie verdeutlicht den damaligen Stellenwert des Wassers in der Gesellschaft.

 

Historie

Nach seiner Stilllegung geriet es danach jedoch jahrzehntelang in Vergessenheit. Der „Zahn der Zeit“ und stückweise auch Vandalismus haben das Bauwerk unansehnlich werden lassen. Der Hinweis einzelner Bürger auf den katastrophalen Zustand und einer vorgelagerten Abfallhalte stieß bei den Verantwortlichen auf Desinteresse. Es mündete schließlich 2008 in einem Beschluss des Magistrats der Stadt, das historische Gebäude abreißen zu lassen.

Nur dem Engagement eines einzelnen Leihgesterner Bürgers und der danach gebildeten „Interessengemeinschaft zur Rettung des Wasserhauses Leihgestern“ (Heimatverein Leihgestern und NABU Linden) ist es zu verdanken, dass 2009 die Stadt ihre ursprüngliche Absicht es abzureißen, aufgegeben hat. Dies geschah nicht zuletzt auch durch die aktive Unterstützung einzelner Leihgesterner Landwirte, die am Tage des vorgesehenen Abrisses durch ihre Anwesenheit und u. a. mit einer Blockade durch ihre landwirtschaftlichen Fahrzeuge, den Zugang der Abrissfahrzeuge zum historischen Wasserbehälter verhinderten. Hilfreich waren an diesem historischen Tag allerdings auch die Zusammenarbeit mit der örtlichen Presse und die Einbeziehung des Hessischen Rundfunks. Aber auch mehr als 1.300 Bürgerinnen und Bürger machten mit ihren Unterschriften deutlich, dass sie gegen einen Abriss und für den Erhalt des technischen Denkmals sind.

Der Abriss konnte damit unter großem Einfluss der Bürgerschaft verhindert werden! Der Wasserbehälter wurde denkmalgeschützt und 2010 saniert. Die abschließende Pflasterung des Vorplatzes erfolgt mit einem gespendeten Kopfsteinpflaster, das der Zeitepoche des Denkmals entspricht.

Die herausragende geografische Lage lässt im unmittelbaren Nahbereich einen Blick über Leihgestern bis hin zur Main-Weser Bahn zu und in der Ferne sind der Stoppelberg bei Wetzlar, Ausläufer des Westerwaldes und der Dünsberg, Vetzberg und Gleiberg zu sehen.

Nicht nur diese Aussicht, sondern auch das Innere des Denkmals wissen nun auch die zu den gefährdeten Tierarten zählende mittelgroße Fledermausart das „Braune Langohr“ zu schätzen und fühlen sich hier heimisch. Mit ihren ca. 3–4 cm großen Ohren und einer Spannweite bis 29 cm überwintern sie im gleichtemperierten Denkmalsinnern.

 

Wasserversorgung

Die Einführung der zentralen Wasserversorgung auf dem Lande fand in den genannten Gründerjahren 1897–1910 statt. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 war es neben der Reichsgründung die französischen Reparationszahlungen, die eine Aufbruchsstimmung und rege Bautätigkeiten mit sich brachten, u. a. vielerorts zentrale Wasserversorgungen mit Hochbehältern und Leitungssystem für Hausanschlüsse ermöglichten. Denn die neuen medizinischen und hygienischen Kenntnisse führten auch auf dem Lande zur Forderung nach gesundem Leben, insbesondere nach geruchsfreiem und wohlschmeckendem Trinkwasser. Verstärkt durch die wachsende Bevölkerung stieg auch der Wasserverbrauch der Landwirte für die Tierhaltung. (Text: Arnulf Kuster)

Wasserversorgung am Ort

Für die Gemeinde Leihgestern bedeutete dies, dass im Jahre 1907 ortsnah der Wasserbehälter gebaut wurde. Die Speisung desselben erfolgte durch die ca. 300m oberhalb liegenden Quellen am heutigen Grillplatz. Damit war ein gleichbleibender Wasserdruck gewährleistet. Allerdings ließ auch diese Trinkwasserqualität sehr zu wünschen übrig, da es sich bei den Quellen überwiegend um Oberflächenwasser handelte und daher von Krankheitserregern nicht gänzlich frei war.

Da die Bevölkerungszahl der Gemeinde Leihgestern ständig stieg und damit auch der Wasserbedarf, wurde im Jahre 1964 ein zweiter Brunnen am nördlichen Ortsrand gebaut. Bei Gründung der Stadt Linden im Jahre 1977 wurde auch dieser stillgelegt und man schloss sich einer zentralen Wasserversorgung für die gesamte Region an.

Der Wasserhochbehälter ist nicht mehr funktionsfähig und inzwischen Refugium der bedrohten mittelgroßen Fledermausart das „Braune Langohr“.

 

 

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