Lahn-Marmor-Museum Villmar. Bild: Lahn-Marmor-Museum Villmar.

Villmar, Lahn-Marmor-Museum

Villmar, Lahn-Marmor-Museum

Oberau 4, 65606 Villmar, Deutschland

Wussten Sie, dass der Marmor in der Eingangshalle des New Yorker Empire State Buildings aus Mittelhessen stammt? Hier können Sie der Geschichte des weltberühmten Gesteins buchstäblich nachspüren.

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Objektinformation

Zugänglichkeit

Thema:
bergbauverarbIndustriesteine

Funktion:
Museum

Eigentümer - Träger:
Stiftung Lahn-Marmor-Museum

Eigentümer - Träger Webseite:

Nutzungszeit:
seit 2016

Baujahr:
2016

Zustand:
sehr gut

Denkmalschutz:
nein

Beschreibung:

Der Ort Villmar an der Lahn und seine Umgebung sind das Zentrum des Lahnmarmors, eines wegen seiner reichen Farbigkeit hochgeschätzten polierfähigen Kalksteins. Der Bereich des Unica-Bruches ist ein Geopunkt im Geopark Westerwald-Lahn-Taunus. Das Museum ist eines von 10 Informationszentren des Nationalen Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus und Station der Industriekultur Mittelhessen.

Entstanden ist der Lahnmarmor vor rund 380 Millionen Jahren. Weite Teile Deutschlands waren zu dieser Zeit von einem Meer bedeckt. Durch Vulkantätigkeit im devonischen Meer wurden Schalsteinsattel ausgebildet, die bis knapp unter die Wasseroberfläche reichten. Darauf entstanden Riffe, die sich hauptsächlich durch Stromatoporen aufbauten, eine zwischen Schwämmen und Korallen angesiedelte, mittlerweile ausgestorbene Art von Meereslebewesen. Aber auch Korallen, Muscheln und Schnecken beteiligten sich am Aufbau der Riffe. Diese Tiere benötigten eine durchschnittliche Wassertemperatur von 24° C. Da der heutige Kontinent Europa zu dieser Zeit durch die Verschiebung der Kontinentalplatten auf Äquatorhöhe lag, waren diese Voraussetzungen gegeben. Im Laufe der Erdgeschichte wurden die entstandenen Riffe durch Druck bei der Gebirgsbildung mit Überdeckungen von bis zu 1.000 Metern verfestigt.

Der Lahnmarmor fand vielfache Verwendung an „prominenter“ Stelle, so z. B. in den berühmten Epitaphien des Mainzer Doms und auch in den Domen von Berlin, Köln, Würzburg und Trier, beim einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen in der Abtei St.Matthias in Trier, zu der Villmar gehörte. Lahnmarmor wurde verwendet im barocken Marmorbad des Weilburger Schlosses, an den Altären der Mannheimer Jesuitenkirche, in der Klosterkirche Amorbach, in den Schlössern von Biebrich, Brühl, Benrath und Würzburg, im Wiesbadener Kurhaus, in der Eremitage in St.Petersburg, im Bahnhof Haydarpasha in Istanbul (Endstation der berühmten Bagdadbahn), in der Eingangshalle des Empire-State-Building in New York und im Palast des Maharadjas von Tagore in Indien.

1997 wurde der Verein Lahn-Marmor-Museum e. V. gegründet, um die 400-jährige Abbautradition und weltweite Verwendung des Lahnmarmors im Gedächtnis der Lahnregion zu sichern. 1998 entstand ein kleiner Ausstellungsraum zum Thema Lahnmarmor auf der Burg Runkel. 2001 wurde dem Verein in Anerkennung seiner Leistungen der Hessische Denkmalschutzpreis verliehen. 2005 wurde ein erstes eigenständiges Museum im alten Bauamt des Marktfleckens Villmar, einem historischen Fachwerkgebäude, errichtet. Seit 2016 besteht das heutige Lahn-Marmor-Museum gegenüber der DB-Station Villmar. Träger dieses Museums ist die private, gemeinnützige Stiftung Lahn-Marmor-Museum, die 2015 vom Lahn-Marmor-Museum e. V., der Gemeinde Villmar sowie vielen Freunden des Lahnmarmors gegründet wurde.

Das Lahn-Marmor-Museum besteht aus vier Bestandteilen:

  • Museumsgebäude mit Dauerausstellung und wechselnden Sonderausstellungen
  • Nationales Geotop „Unica-Bruch“ – der Weg vom Museum dorthin führt über einen 380 Meter langen erdgeschichtlichen Weg
  • Lahn-Marmor-Weg (Marmorweg) – ein Weg in 2 Runden durch den Ort und die Gemarkungen von Villmar
  • Lahn-Marmor-Route (Marmorroute) – ein Fahrradweg entlang der Lahn durch das ehemalige Abbaugebiet des Lahnmarmors von Wetzlar nach Baldiunstein

Die Dauerausstellung im Museumsgebäude gliedert sich in drei Bereiche:

Geowissenschaften/Geologie

Anhand von Gesteinsproben, gesägten Platten, Fossilien und geologischen Filmen ist ein Vergleich des „Gestern“ mit dem „Heute“ möglich und verdeutlicht die faszinierenden, geowissenschaftlichen Facetten des Lahnmarmors. Die Erdgeschichte vor 380 Mio. Jahren „Als Hessen am Äquator lag“ wird dargestellt

Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Hier kommen Technikfans auf ihre Kosten kommen, denn für den Abbau, die Verarbeitung und den Transport kommen zahlreiche Aspekte der Bewältigung schwerster körperlicher Arbeiten zur Sprache. Welche Gewinnungs- und Verarbeitungstechnologien waren in welcher Zeit üblich bzw. notwendig, welche Transportmittel standen zur Verfügung? Eine Besonderheit ist das Modell eines Steinbruches, das von einem Vereinsmitglied hergestellt wurde und anschaulich alle Geräte und Arbeitsschritte in übersichtlicher Tischgröße zusammenfasst. Die drei Aspekte Abbau, Verarbeitung und Transport werden eindrucksvoll mit Werkzeugen, historischen Fotos und Quellen erläutert werden, so dass die harte Arbeit der Steinbrecher, der Marmorierer und Steinmetze anschaulich vermittelt wird. In einer speziellen Dauerausstellung wird auch über den heutigen Kalksteinabbau in der Lahnregion informiert. Dieser Abbau erfolgt schon seit über 150 Jahren durch die „Schaefer Kalk GmbH & Co. KG“ in Hahnstätten. Anhand von anschaulichen Beispielen wird ebenso die heutige Nutzung erklärt.

Kunstgeschichte und Architektur

Ein Werkstein wird erst zu einem solchen, indem er in Gebäuden und Objekten Verwendung findet. Somit ist der architektonisch-kunstgeschichtliche Teil der Ausstellung ein zentraler Punkt. Hier wird anhand von Bilddokumenten und Texten die weltweite Verbreitung des Lahnmarmors demonstriert. Kleinere kunsthandwerkliche Objekte (Vasen, Schalen, Schreibtischgarnituren) zeigen dem Besucher die gesamte Bandbreite der Verwendung.

In Fußnähe zum Museum lassen sich zahlreiche weitere Orte der Industriekultur entdecken: Unica-Bruch, Lahnbrücke, Bahnhof oder Lahnschleuse.