
Campingplatz Gräveneck: Industriekultur mit neuem Leben verbindet Geschichte und Freizeit. Foto: Jan Bosch
Industriekultur ist in Mittelhessen vielerorts sichtbar. Ehemalige Industrieanlagen, Fördertürme und historische Betriebsgebäude prägen bis heute zahlreiche Orte der Region. Viele dieser Bauwerke erzählen nicht nur von der wirtschaftlichen Entwicklung vergangener Jahrzehnte, sondern erhalten inzwischen auch neue Funktionen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür findet sich in Gräveneck direkt an der Lahn.
Wo einst Eisenerz aufbereitet wurde, begrüßt heute der Campingplatz Gräveneck seine Gäste. Das markante Turmgebäude der ehemaligen Aufbereitungsanlage der Grube „Georg-Joseph“ ist bis heute erhalten und bildet das Zentrum des Campingplatzes. In dem denkmalgeschützten Bau befinden sich heute die Rezeption, die Verwaltung, Gästezimmer sowie das Restaurant „Lahnterrasse“.

Die Geschichte des Standorts reicht weit zurück. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Abbau von Eisenerz, Schiefer und Phosphorit in Mittelhessen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Zur Modernisierung der Grube „Georg-Joseph“ entstand bereits 1882 eine rund 1.300 Meter lange Drahtseilbahn bis zur nahegelegenen Bahnstation. So konnte das geförderte Erz direkt weitertransportiert werden.
In den Jahren 1921 und 1922 wurde die Aufbereitungsanlage errichtet, deren Turm noch heute das Gelände prägt. Dort trennte man das erzhaltige Material vom tauben Gestein, um die Qualität des transportierten Erzes zu verbessern. 1933 folgte eine weitere Modernisierung der Anlage. Gleichzeitig erhielt das zuvor rein funktionale Turmgebäude architektonische Gestaltungselemente im klassizistischen Stil.
Mit der Schließung der Grube im Jahr 1966 endete die industrielle Nutzung des Standorts. Insgesamt wurden dort schätzungsweise 2,6 Millionen Tonnen Eisenstein gefördert. Seit den 1970er Jahren wird das Gelände touristisch genutzt und zeigt beispielhaft, wie historische Industriearchitektur erhalten und sinnvoll weiterentwickelt werden kann.
Heute verbindet der Campingplatz Naturerlebnis, Freizeit und Industriekultur auf besondere Weise. Die Lage direkt an der Lahn, die Nähe zum Lahnradweg und Lahnwanderweg sowie die außergewöhnliche Industriekulisse machen den Ort zu einem beliebten Ziel für Gäste aus der gesamten Region und darüber hinaus.
Der vollständige Beitrag erschien im Lahntal Magazin „#Lahntalliebe“, Ausgabe 03/2024, auf Seite 27 unter dem Titel „Glück auf im Schatten lebendiger Industriekultur“: https://www.daslahntal.de/info-und-service/tourist-informationen/prospekte-bestellen/prospekte
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