Eschenburg-Roth, Grube Gottesgabe

Eschenburg-Roth, Grube Gottesgabe

R9V4+C5 Eschenburg, Deutschland

Lost Places! Von der Entdeckung der Silbererzgrube zu ihrer Stillegung hier über 250 Jahre Bergbau betrieben.

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Objektinformation

Zugänglichkeit

Thema:
bergbau

Funktion:
Silbererzgrube

Eigentümer - Träger:
unbekannt

Nutzungszeit:
(nach 1695) 1850 bis 1941

Baujahr:
(nach 1695) 1850

Zustand:
schlecht

Denkmalschutz:
nein

Beschreibung:

Die Grube Gottesgabe baute – ebenso wie die Gladenbacher Gruben – auf einem Fahlerz-Kupferkies-Gangschwarm bei dem Dorf Roth im Hessischen Hinterland, das bei Beendigung der Kämpfe um die Erbnachfolge in Hessen-Marburg an Darmstadt gefallen war. Über die verhältnismäßig späte Entdeckung des Vorkommens berichtet Valentinus: „Gegen Ende des Jahres 1695 war zwei Bauern aus Roth aufgefallen, dass an einem Berghang Reif und Schnee, wenn sie nicht sehr hoch lagen, gleich wieder wegschmolzen, während sie dicht daneben liegen blieben. Da auch eine Wünschelrute an dieser Stelle ausschlug, vermuteten die Bauern, dass hier Erzadern vorhanden seien, und sie wurden auch in einem Schürfloch fündig.

Als dies Landgraf Ernst Ludwig gemeldet wurde, sandte er seinen Bergmeister Joh. Adam Rephun nach Roth, wo dieser die Funde bestätigte. Nach Gründung einer Gewerkschaft wurden in einer 500 Schritt von Schloss Wittgenstein entfernt gelegenen Schmelzhütte aus 400 Pfund Erz 15 Mark Feinsilber (etwa 3,5 kg) erschmolzen.

In den folgenden Jahrhunderten hat die Grube oft – insgesamt wohl zehnmal – die Besitzer gewechselt, die aber nur selten Erfolge erzielt haben. Am bekanntesten waren um 1750 der Düsseldorfer Bankier Kirschbaum, der die Gewinnung von Quecksilber in Roth aufnahm, und um 1850 Graf Reichenbach-Sesonitz in Frankfurt, der die Erze in seiner Wissenbacher Hütte verarbeiten ließ, aber 1887 die stillgelegte Grube wieder verkaufte. Ein großer Aufschwung trat nochmals ein, als um 1910 eine 1000teilige Gewerkschaft Gottesgabe mit Sitz in Roth gegründet wurde, an der hauptsächlich Kölner Unternehmer beteiligt waren. Diese hat im Jahre 1916 die Grube mit erheblichen Mitteln ausgebaut. Ein Blindschacht am Ende des im Eibachtal angesetzten Stollens schloss den Gang 72 m unter der Stollensohle auf. Über Tage entstand vor allem eine neuzeitliche Schwimmaufbereitung. Aber auch diese aufwendigen Anlagen, auf denen unter und über Tage bis zu hundert Mann beschäftigt wurden, haben die Wirtschaftlichkeit nicht dauerhaft gewährleistet. Nach dem Ersten Weltkrieg ist der Betrieb 1926 zum Erliegen gekommen; er wurde 1935 zwar erneut aufgenommen, ist 1941 aber wiederum eingestellt worden.

Die Tagesanlagen sind abgebrochen, aber die starken Fundamente und ausgedehnten Bergehalden zeugen noch von dem fast 250 Jahre wechselvoll betriebenen Bergbau. Der tiefe Stollen, der schon 1750 eine Länge von 450 m erreicht hatte, dient jetzt der Wassergewinnung für die Gemeinde Roth. Auch von den kleineren Gruben sowie von Feste Burg, Priester Aaron, Reicher Segen u. a. sind noch Stollen, Pingen und Halden zu finden.

Literatur:

Spruth, F.: Die Bergbauprägungen der Territorien an Eder, Lahn und Sieg, Bochum 1974 (Veröffentlichungen aus dem Bergbau-Museum Nr. 6), S. 35-41.